18. März 2010

Zeichensetzung - ein Auslaufmodell oder Notwendigkeit?

Es gibt kaum einen Schüler, der nicht über sie stöhnt: über die Zeichensetzung. Immer wenn er/sie glaubt, eine Regel erkannt zu haben, stößt er/sie auf die nächste Ausnahmeregelung.

Wo immer man hinschaut, die Beherrschung der richtigen Zeichensetzung ist eine Kompetenz, die viele nicht mehr innehaben und manche für obsolet halten. Unter Zeichensetzung verstehen wir das Setzen von Satzzeichen und Wortzeichen in einem geschriebenen Text, damit man die Strukturen des Satzbaues oder die morphologische Struktur des Wortes leichter erkennen kann. Jede Sprache hat eigene Regeln dafür, die Teil der Rechtschreibung sind.

Schon lange gab es die Auffassung, dass Interpunktion eher durch das Temperament diktiert werde, als durch Regeln gesichert werden müsse. Im Zeitalter der Kommunikation und Information, in dem es vor allem auf die Schnelligkeit des Austausches ankommt, wird häufig darauf verwiesen, dass man schließlich einen Text auch dann verstehen könne, wenn z. B. die Kommata nicht perfekt gesetzt seien.

Die Geschichte zeigt, dass man mit einer phonetischen Schreibweise ("schreib so, wie Du sprichst") und einer sehr rudimentären Zeichensetzung auskommen kann. Orthografische Regelungen der deutschen Sprache kennen wir erst seit dem 16. Jahrhundert und erst im Jahre 1901 begann man, die Rechtschreibung und die Interpunktion zu systematisieren. Dabei bildeten sich schließlich Regelwerke heraus, die als allgemein verbindlich erklärt wurden. Trotzdem wurde in der Vergangenheit immer wieder der Wunsch nach Reformen laut: Schon in den 20er Jahren gab es solche Bestrebungen, ebenso wie im Dritten Reich. In der Zeit der 68er Studentenbewegung wurde die starre Regelung der Rechtschreibung als repressiv kritisiert und für ihre Liberalisierung gekämpft.

Als dann 1996 ernst gemacht wurde mit einer Reform der Rechtschreibung der deutschen Sprache, kam es zu heißen Debatten, und es bedurfte dreier Anläufe, einer neuen Regelung Geltung zu verschaffen. Seit dem Jahre 2006 gilt sie nun. Neben der Groß- und Kleinschreibung, der Getrennt- und Zusammenschreibung ist auch die Interpunktion verändert worden. Viele setzen die Vereinfachung des Regelwerks z. B. beim erweiterten Infinitiv um, indem sie einfach gar keine Kommata mehr setzen. Die Sprache wird es überleben, schwieriger wird es mit den sich abzeichnenden grammatikalischen Vereinfachungen werden.

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