Für viele ein rotes Tuch: die deutsche Rechtschreibung
Die deutsche Rechtschreibung blickt auf eine lange Geschichte zurück. Erste Aufzeichnung gibt es aus dem 8. Jahrhundert. Seit damals hat die Rechtschreibung große Veränderungen erfahren.
Unter Rechtschreibung versteht man die allgemein anerkannte Schreibweise von deutschen Wörtern. Abweichungen von der Norm werden als Rechtschreibfehler gewertet. Seit die deutsche Rechtschreibung 1996 reformiert und zwischen 2004 und 2006 in einigen Punkten nochmals überarbeitet wurde, haben sich bei vielen Deutschen mehr Unsicherheiten eingestellt als beseitigt wurden. Es gibt viele kritische Stimmen, die das Primärziel der Reform, die Vereinfachung der deutschen Rechtschreibung, nicht erreicht sehen. Besonders von der Diskussion betroffen war die Getrennt- und Zusammenschreibung und die eingedeutschte Schreibung von zahlreichen Fremdwörtern. „Portmonee“ und „Ketschup“ sowie einige Neuregelungen wollten nicht jedem gefallen.
Die Reform wurde von Anfang an kritisch betrachtet und von der Mehrheit der Bevölkerung abgelehnt. Auch viele Jahre nach der Rechtschreibreform bewerten sie die meisten Bundesbürger negativ, das ergab eine Reihe von Umfragen. Nur etwa jeder fünfte Bürger hält die Rechtschreibreform für sinnvoll. Die Auseinandersetzungen zwischen Gegnern und Befürwortern der Reform dauern bis heute an. Richtig in die Krise kam die Reform jedoch 2004 bis 2005. Immer mehr renommierte Verlage erklärten damals, dass sie wieder zur alten Rechtschreibung zurückkehren wollten und auch zahlreiche Schriftsteller und Wissenschaftler sprachen sich gegen die reformierte Schreibung aus. In den beiden folgenden Jahren wurden die strittigsten Punkte daraufhin überarbeitet.
Die Kultusminister der einzelnen Bundesländer stimmten Anfang 2006 auf einer Konferenz für die reformierten Regeln. Mit einer einjährigen Übergangsfrist wurde die neue deutsche Rechtschreibung am 1. August 2006 bundesweit eingeführt. Seitdem hat sie offiziell Gültigkeit, wird in den Schulen gelehrt und auch aktuelle Wörterbücher stellen die reformierten Regeln dar. In vielen Fällen, zum Beispiel bei Fremdwörtern, sind nun verschiedene Schreibweisen eines Wortes zulässig. Bekannte Wörterbücher geben deshalb in ihren neueren Auflagen Empfehlungen, welche der möglichen Varianten die beste ist. Die Vielfalt an Schreibvarianten, die heute herrscht, war nicht die Intension der ersten Reformer.